Unsere Familie ist ein sicherer Zufluchtsort für uns alle. Im Kreis der Familie wird man geliebt und geachtet, unabhängig von Schulnoten oder auch beruflichem Erfolg oder Misserfolg. Unsere Familie ist ein Ort der Geborgenheit, was uns aber nicht davon abhält, miteinander zu streiten. Konflikte gehören zum Alltag, wichtig ist, Lösungen zu finden, sich wieder zu versöhnen und den anderen auch mal so stehen zu lassen, wie er eben ist.

Viele fragen uns, wie schafft ihr das, mit vier Kindern? Die Frage stellt sich so für uns gar nicht.

Klar gibt es Dinge, die wir nicht so einfach durchführen können. Der Pauschalurlaub inklusive Flug und All-inclusive für die vierköpfige Familie ist für uns nicht drin. Auch das standardisierte Fertighaus mit zwei Kinderzimmern passt nicht in unseren Lebensentwurf. Bei so vielen Leuten ist „Teilen“ angesagt, d. h. nicht jeder hat sofort ein eigenes Zimmer. Das eigene Zimmer bleibt unserem Teenie vorbehalten, der zumindest mal zeitweise Ruhe vor dem „Familienmonster“ braucht. Antonia benötigt dieses Rückzugsgebiet, das eine „jungenfreie“ Zone ist und auch wirklich nur von der kleinen Schwester betreten werden darf – zumindest ohne Kratzer und blaue Flecken …
Hier findet die kleine Schwester auch gelegentlich das eine oder andere „Gummipferd“, das Antonia nun – vor wenigen Jahren noch undenkbar – gerne an die kleine Schwester abgibt. Sontje und Antonia, die beiden Schwestern, pflegen eine innige Beziehung. Die große Schwester, die schon reiten kann, wird uneingeschränkt bewundert. Von Sontje liebevoll Toni genannt, unternimmt die große Schwester schon früh Verantwortung und passt auch schon mal auf die Kleine auf, um der Mama im hektischen Alltag Luft zu verschaffen.

Bei den kleineren Brüdern ist es noch etwas anders. Sie streiten miteinander und treiben sich neben sportlichen „Höchstleistungen“ manchmal auch gegenseitig zur Weißglut. Fragt man Elias, ob er ein eigenes Zimmer gegen seinen Bruder eintauschen möchte, so kommt trotz des einen oder anderen Zwists doch immer ein klares „Nein“. Kilian bewundert seinen großen Bruder, der schon viel höher klettern und besser Fußball spielen kann, und ist auch nicht gern allein. Ein Bruder, mit dem man sich vor dem Einschlafen noch etwas unterhalten kann, ist doch etwas anderes als ein „Notlicht“ im Dunkeln. Und auch wenn der „Große“ es nie zugeben würde; ab und an, wenn unser Hund „Conner“ nachts anschlägt, ist er doch froh, seinen kleinen Bruder in der Nähe zu wissen.

Das Kinderzimmer ist der Ort zu träumen und Abenteuer zu planen. Elias und Kilian planen die nächste Entdeckungsreise im alten Stall, gespannt darauf, was unter der einen oder anderen brüchigen Diele zum Vorschein kommt. Die Fundstücke, die dabei zu Tage kommen, werden sorgsam im Kinderzimmer gehortet. Da lassen Mama und Papa die Finger von den „Schätzen“ und sind dabei froh, dass an dem einen oder anderem alten Knochen zumindest keine Fleischreste mehr zu finden sind.

Manchmal wird das Kinderzimmer am Abend zu einem Eintritt in eine andere Welt, in der man Forschungsreisen durch Galaxien erlebt oder aber fremde Länder mit abenteuerlichen Fluggeräten erkundet. Wenn Papa nicht zu spät heimkommt, wird hier auch vorgelesen. Manchmal denkt der Papa dabei auch an seine eigene Kindheit zurück und freut sich, dass die Geschichten nichts von ihrer Faszination verloren haben und nicht „zum Einschlafen“ sind.

Eine Familie allein ist keine Lizenz zum „glücklich sein“. Glück ist unserer Meinung nach das Gegenteil von Unzufriedenheit. Um dennoch, trotz allem, was so täglich schief gehen kann, glücklich zu sein, bedarf es auch der bewussten Entscheidung, sich auf die positiven Erlebnisse zu konzentrieren, auf Gott zu vertrauen und nicht das Negative zu betonen und zu überbewerten, denn wir wissen, dass es einen Gott gibt, der uns liebt und auf den wir vertrauen können. In diesem Glauben findet unser Familie ein festes Fundament, das und immer hält und gehalten hat, selbst in Zeiten, in denen es auch einmal schwieriger war, z. B. als wir während der Schwangerschaft die Diagnose Down Syndrom bekommen haben.

Bei uns läuft nicht alles glatt und mancher Plan geht auch schief. Die beschriebenen kleinen Dinge sind manchmal das Glück, das man nicht jagen kann: Der Moment, in dem man die beiden Streithähne nach einer Gewitternacht friedlich schlafend in einem Bett vorfindet, der Moment, in dem Mama und Papa glücklich und stolz über Antonia sind, die die Kleine ohne Bitten kurz abnimmt und aufpasst. Oder wenn Elias bereitwillig seinem kleinen Bruder Kilian bei den Hausaufgaben hilft. Sontje ist glücklich, wenn alle zusammen am Frühstückstisch sitzen und ein fröhliches, manchmal auch etwas genervtes „Piep, piep, piep,..“ anstimmen. Da braucht man keinen Kaviar zum Frühstück.


Autor_Anja&Thorsten