Neben Massen an Bildern, Klorollen-Basteleien und leeren Süßigkeitenpackungen können meine Kinder noch etwas in erstaunlichen Mengen produzieren: Freunde. Dabei sind sie so fleißig, dass sie nicht nur für ihren Eigenbedarf, sondern auch für uns Eltern produzieren. Und der Mann und ich? Freuen uns. Weil dadurch immer wieder neue, interessante (kleine und große) Menschen in unser Leben kommen. Viele dieser Begegnungen bleiben eher an der Oberfläche, manche führen zu echten Freundschaften. Manche Menschen begleiten uns nur eine kurze Zeit, andere spielen langfristig eine wichtige Rolle in unserem Leben.

Das große Kind war von Anfang an sehr kontaktfreudig. Fünf Minuten auf dem Spielplatz, zack, Anschluss gefunden. Genauso in der Schule, im Sportverein oder im Urlaub. Wo ich als Kind schüchtern und gehemmt gewesen wäre, stürzt er sich gerne kopfüber rein und taucht strahlend mit einer neuen Bekanntschaft wieder auf. Wobei es neben den neuen Freunden immer noch die alten Kumpels aus der Kita-Zeit gibt, mit denen er sich weiterhin regelmäßig trifft, auch wenn die Jungs mittlerweile über Norddeutschland verteilt wohnen.

Das kleine Kind hatte dagegen sehr lange nur einen aller-, allerbesten Freund. Mit dem wollte es spielen, sonst mit keinem.

Und war der nicht da, war die Kita blöd. Nach den Erlebnissen mit dem großen Kind hat mich das anfangs ziemlich verunsichert. Klar, der allerbeste Freund ist tatsächlich so toll, dass es für andere schwer ist, da ranzukommen (niemand geht so gelassen mit den Zickereien des kleinen Kindes um, niemand kann in müden Phasen so entspannt mit im Bett abhängen, niemand ist ein besser Höhlen-Mitbauer). Plus der große Bruder, der trotz vier Jahren Altersabstand gerne mit seiner kleinen Schwester spielt. Irgendwann kam dann aber noch ein zweiter Freund dazu. Und noch viel später eine ganze Reihe von Freundinnen.

Freunde = Glück

Es macht mich glücklich, meine Kinder mit ihren Freunden zu sehen. Wie sie zusammen spielen, kichern, Konflikte austragen, größer werden. Vieles davon geht mit Freunden so viel besser als mit Eltern, die es so oft besser wissen, gerne meckern und es fast immer eilig haben. Klar, es gibt manchmal auch Kinder, die mich nerven, weil sie innerhalb kürzester Zeit für komplettes Chaos sorgen, ständig wegen „was Süßem“ fragen, rotzfrech sind. Ich versuche das auszuhalten und setze darauf, dass sich diese Freundschaft von alleine erledigt, weil auch meine Kinder genervt sind. Diese Praxis hat bisher ganz gut geklappt. Was ich nie machen würde: Meinen Kindern Freunde ausreden. Solange er oder sie sich nicht völlig daneben benimmt, ist er bei uns willkommen.

Freunde + Eltern

Wir hatten schon vor den Kindern einen ziemlich großen Freundeskreis. Einige wenige Freunde sind verschwunden, als die Kinder kamen. Die meisten Freundschaften bestehen aber nach wie vor. Viele von uns haben etwa zum gleichen Zeitpunkt ihre Kinder bekommen. Am Anfang dachten wir deshalb, dass wir uns jetzt alle noch viel mehr sehen würden und jede Menge Zeit miteinander hätten. Tatsächlich sehen wir uns deutlich weniger. Wir haben alle (zu)viel um die Ohren und immer volle Terminkalender. Unsere Kinder haben ganz unterschiedliche Interessen. Und dann sind da noch die neuen Freunde, die es überwiegend dank unserer Kinder gibt.

Es gibt Freunde, die wir über die Kita kennengelernt haben. Noch mehr kamen über die Schule dazu. Über den Sportverein und über den Schwimmkurs. Die Kinder sind oft der Eisbrecher – sie nehmen den Kontakt auf und wir Eltern schwimmen dann im Fahrwasser mit. Gelegentlich hat man dann auch mal jemandem am Hals, mit dem man überhaupt nicht auf einer Wellenlänge liegt. Aber sehr häufig macht es auch auf Anhieb klick.

Freunde + Ansprüche

Meine Kinder sind beim Thema Freunde ein großes Vorbild für mich: Die alten Freundschaften pflegen, aber trotzdem offen sein für neue Menschen. Es macht mich glücklich, neue Leute kennenzulernen, die gleiche oder ganz andere Interessen haben, die in der gleichen Stadt wie ich geboren wurden oder am anderen Ende der Welt, die den gleichen Beruf haben oder etwas völlig anderes machen.

Manchmal bin ich unglücklich, weil es zuviele Menschen sind, um die Beziehungen intensiv zu pflegen.

Vieles bleibt auf der Strecke, weil Zeit und Energie fehlen.  Jeden Tag Verabredungen, stundenlang abends zusammensitzen, Dauer-Telefonate: das geht nicht mehr. Nicht bei mir und auch bei den meisten meiner Freunde nicht. Auf der anderen Seite denke ich mir: Durch die Kinder hat sich so vieles verändert, auch in anderen Bereichen musste ich meine Ansprüche ganz schön runterschrauben – also geht es vermutlich gar nicht anders, als auch Freundschaften anders zu sehen. Gute Freundschaften halten längere Wartezeiten aus, hoffe ich zumindest. Hauptsache man ist da, wenn es wirklich brennt und Freunde Untersützung brauchen.

Freunde schätzen: Internationaler Tag der Freundschaft

Freundschaften sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind wertvoll. Sie sind ein großes Glück. Genau daran soll jedes Jahr am 30. Juli der „Internationale Tag der Freundschaft“ erinnern, den die Vereinten Nationen 2011 ausgerufen haben. Eine gute Gelegenheit, um sich selber Gedanken über seine Freunde zu machen, sich mit seinen Freunden zu treffen und vielleicht noch mehr Freundschaften in Zeiten des Elternseins zu lesen – zum Beispiel im Rahmen der Blogparade, die es im Juni bei familieberlin gab. Oder bei den großen Köpfen. Oder im Blogbook...

Titelbild: unsplash.com/Danielle MacInnes


 

Autor_Sandra