Manchmal, wenn ich so ganz furchtbar glücklich bin, wünschte ich, ich könnte dieses tolle Gefühl einfach speichern, um es zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzurufen. Ein Klick auf die quadratische, schwarze Diskette oben links, und ich könnte mich in Sicherheit wiegen, dass ich demnächst mal, wenn ich mies gelaunt bin, diese Glücksdatei einfach öffnen könnte und dann glücklicher wäre. So wie in dem Buch „Frederick“ – kennt Ihr das? Da ist diese Maus – Frederick. Er sammelt die Farben des Sommers und die Sonnenstrahlen. „Denn der Winter ist grau“, sagt er.

So geht es mir auch immer am Ende des Sommers. Ich spüre, dass es morgens feuchter ist und dass es abends früher kühl und dunkel wird. Erste Blätter rieseln vom Baum, der Regen riecht nicht mehr nach Sommer oder frisch gemähtem Gras. Dann werde ich wehmütig.

Wie schön sind die Sommermonate, in denen wir lange draußen sitzen, lesen, Wein trinken, spielen. In denen wir Fünfe gerade sein lassen und den Kindern jeden Tag Eis erlauben und sie bis zum Einbruch der Dunkelheit draußen bleiben dürfen. Sei´s drum, dann sind sie eben müde am nächsten Tag.

Ganz bald müssen wir wieder an Jacken und Mützen denken. Wir lassen halbe Monatslöhne in Schuhgeschäften für Übergangs-, Herbst- und Schneeschuhe. Wir puzzeln uns schwindelig, weil es draußen dauerregnet. Ich sehe meine lieben Nachbarn nur noch aus dem Auto heraus. Wir schalten zu oft den Fernseher ein, weil, ja weil das eben auch mal eine Lösung ist. Ihr wisst was ich meine. So viele Wochen gilt es auszuhalten, bis endlich wieder die ersten Krokusse blühen.

So, und nun ist mal Schluss. Das denk ich dann echt. Denn schließlich lohnt es sich ja nicht, latent depressiv zu werden, nur weil jedes Jahr im September der Herbst anklopft. Jetzt geht es darum, die Sonnenstrahlen auszupacken. So wie Frederick. Im Winter wärmt er die Herzen seiner Mäusefreunde mit seinen Vorräten. Alle schließen die Augen und spüren die Wärme des Sommers, sehen seine Farben.

Vermutlich klappt das im echten Leben nicht ganz so gut. Oder zumindest nicht für sechs überwiegend graue Monate. Aber es klappt etwas anderes. Es ist nämlich so, dass jede Jahreszeit ihre Besonderheiten hat. Der Herbst ist häufig sonniger als der Sommer – wenn auch nicht so warm. Die Herbstmode gehört ehrlicherweise zu meiner liebsten. Im Winter gibt es Marzipankartoffeln und Dominosteine. Das Fernsehprogramm ist besser, es gibt kein verkohltes Gemüse vom Grill, der Rotwein schmeckt auch wahnsinnig lecker und es gibt weder Wespen noch Mücken.

Ich rufe also eher all die Vorzüge der kühleren Jahreszeit ab, und gewöhne mich dann so langsam an den Gedanken, dass bald Herbst ist.

Und wenn dann noch Restzweifel da sind, dann gehe ich mit den Kindern bei Regen raus und genieße ihr quietschendes Lachen, wenn sie mit voller Wucht in eine Pfütze springen.

Oder wenn sie spüren, wie schön Regentropfen die Zunge kitzeln, versucht man sie mit dem Mund zu fangen. Kinder sind nämlich nicht wehmütig. Die nehmen das Wetter wie´s kommt. Diesen kindlichen Gleichmut liebe ich.


Autor_Rike_Johannsen