Polli und Phillipp sind mitten im Studium Eltern geworden – und erzählen im Interview, wieso sie sich ganz bewusst zum „Jung-Eltern-werden“ entschieden haben und wie ihr Familienalltag heute zwischen Vorlesungen und Prüfungsstress aussieht.


 

Polli, Du bist während des Studiums schwanger geworden – war das eine bewusste Entscheidung?

Ja, absolut. Mein Mann Phillipp und ich waren während des Studiums WG-Mitbewohner, haben uns ineinander verliebt. Kinder waren bei mir schnell ein Thema. Ich wusste schon immer, dass ich nicht so spät Mutter werden will.

Und wie stand Philipp dazu?

Seine Mutter hat ihn mit 21 bekommen, er ist also mit einer jungen Mutter groß geworden. Anfangs hatte er Bedenken, ob das finanziell so alles hinhaut.

Womit er ja nicht unrecht hat. Viele Paare wollen erstmal arbeiten,bevor sie Kinder bekommen.

Ich sehe das aus einem ganz anderen Blickwinkel. Im Studium ist man sowieso gewöhnt, sparsam zu leben. Verdient man erstmal viel Geld, ist es vielleicht schwieriger, seine Ansprüche wieder herunter zu schrauben.

Wie haben deine Kommilitonen und Professoren reagiert, als Du schwanger wurdest?

Die Professoren fanden es klasse. Unsere Freunde dachten, wir spinnen. Kinder zu haben, war für sie noch ganz weit weg. Sie wollten erstmal Party machen, das Studium zu Ende bringen. Später, als Greta dann da war, fanden sie aber alle süß.

Und wie hat das Studieren geklappt?

Meine letzten Prüfungen habe ich hochschwanger geschrieben. Das war schon hart und anstrengend. Im September 2011 wurde dann Greta geboren und ich habe eine Pause gemacht. Als ich dann mit meiner Masterarbeit angefangen habe, war ich schon wieder mit Ludwig schwanger. Auch er war geplant, wir wollten keinen zu großen Altersunterschied zwischen den Kindern.

Wie schafft man es, schwanger und mit einem Kleinkind, die Masterarbeit zu schreiben?

Mit viel Disziplin und wenig Schlaf. Außerdem hat mir mein Mann Greta oft abgenommen, dass ich Ruhe arbeiten konnte. Rückblickend war das eine sehr sehr anstrengende Zeit. Als ich die Arbeit endlich abgeben konnte, ist eine riesige Last von mir gefallen.

Und wie reagiert der Arbeitsmarkt auf eine Berufsanfängerin mit zwei Kindern?

Es ist nicht leicht, eine Teilzeit-Stelle zu finden. Ich stecke gerade mitten im Bewerbungs-Marathon und merke das sehr deutlich, dass für einige Arbeitgeber zwei Kinder nicht unbedingt ein Pluspunkt auf dem Lebenslauf sind. Dennoch würde ich mich noch einmal dafür entscheiden, bereits im Studium Kinder zu bekommen.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Neben Gesundheit für uns alle, eine berufliche Perspektive für mich.

Was bedeutet Glück für Euch?

Zeit. Ob zu zweit oder mit den Kindern. Mein Mann ist beruflich sehr eingespannt, so dass wir zuletzt wenig Familienzeit hatten. Deshalb schätzen wir es einfach sehr, wenn wir zusammen sind. Außerdem sind wir gerade in ein Häuschen im Grünen gezogen. Es ist für mich ganz wunderbar zusehen, wie die Kinder im Garten spielen können. Dass sie so viel Natur erleben, macht mich sehr glücklich.


Autor_Polli