„Wieso müsst ihr ein Jahr lang nicht arbeiten?“ ist meist die erste Frage, die Cordula Payer (39) aus Enzersfeld, Österreich beantworten muss, wenn sie von ihren Reisen mit der Familie erzählt. Zwei Monate Kanada im letzten Herbst. Drei Monate Südamerikaschon in diesem Jahr. „Und gerade packe ich schon wieder die Rucksäcke, denn die nächsten drei Monate werden wir Asien bereisen“, erzählt Cordula. Immer mit dabei: Ehemann Thomas (51) und die zwei Kinder Ruben (6) und Tabea (5). Ein ganzes Jahr lang nicht arbeiten… „Ich weiß, für die meisten wird dies ein Traum bleiben. Und wir wissen unser Glück zu schätzen“, so Cordula. „Aber Thomas ist Lehrer, und ein Konzept hier in Österreich sieht vor, dass man vier Jahre arbeitet und danach ein Jahr frei hat. Dafür bekommt man stets nur 80 Prozent des Gehalts.“ Ein Deal, der sich für die Payers auszahlt. Denn Reisen ist ihre größte Leidenschaft. Und die möchten sie mit ihren Kindern teilen. Cordula: „Wir wollen ihnen die Welt zeigen und ein Jahr ganz intensiv als Familie erleben.“ Und damit die Kinder kein Schuljahr verlieren, zog die Familie los, bevor Ruben im Sommer eingeschult wird.


14 Colca Canyon Peru

 

Südamerika! Asien! Mit kleinen Kindern! Da schlagen viele die Hände über dem Kopf zusammen und denken an mögliche Gefahren, die dort lauern. Das ist für Cordula und Thomas allerdings zu kurz gedacht. „Wir leben kurz vor Wien – eine Millionenstadt! Wir fahren hin und wieder U-Bahn. Hier kann uns auch etwas passieren.“ Generell sind die Payers keine Menschen, die sich fürchten. Sie planen eher alles gut durch und halten sich an Regeln: „Wir rennen ja nicht mit Golduhren und teuren Kameras durch Chile. Und an wichtige Impfungen haben wir auch gedacht“, so Cordula. Wovon Eltern von Kita-Kindern nur träumen können: „Keiner von uns wurde auf den Reisen krank“, sagt Cordula. Und auch sonst habe es keinerlei gefährliche Situationen gegeben. Im Gegenteil! Besonders herzlich wurde die Familie überall empfangen. „Unsere beiden Kinder sind sehr blond und haben blaue Augen. So fielen wir überall auf“, erklärt Cordula. „Über die Kinder kommt man mit den Einheimischen unheimlich schnell ins Gespräch und erfährt mehr über Land und Leute, als man es als Alleinreisender täte.“

 

Highlights der Reisen: In Kanada beobachtete die Familie Grizzlybären aus nächster Nähe beim Lachsfang. Auf Feuerland besuchten sie die Pinguine – und trafen sogar, und das ist besonders selten, auf vier Königspinguine! Sie nahmen die Kinder mit auf 4.900 Meter Höhe ins Altiplano in Bolivien und standen auf dem Salzsee. Sie waren in Peru auf den Spuren der Inkas unterwegs und bestaunten die überwältigende Tierwelt auf Galapagos und die Wasserfälle von Iguazu. Ruben, den die Tierwelt besonders fasziniert, schnorchelte mit kleinen Haien und beobachtete Riesen-Schildkröten auf Galapagos. Sehr nah waren sie der Tierwelt auch, als ihnen in Peru frittiertes Meerschweinchen serviert wurde – dort eine Spezialität. Für die Kinder war das kein Drama.

„Wir Erwachsenen machen die Dinge immer viel größer, als sie für Kinder häufig sind“, so Cordula. „Immerhin sind wir jetzt um eine Erfahrung reicher!“

Kinder können spielen, ohne sich zu verstehen
Kanada war Thomas Traumziel. Dorthin haben die Payers sogar Oma und Opa mitgenommen. Das Land haben sie mit einem großen Mietauto bereist. In Südamerika, wofür Cordulas Herz schlägt, und in Asien nutzen sie ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. Geschlafen wird in Motels und Hostels. Gegessen wird dort, wo es gerade passt. „Manchmal sogar auf der Straße. Und meist kochen wir selber“, sagt Cordula. Und so bleiben die Kosten auch überschaubar. 150 Euro brauchten die Payers in Südamerika im Schnitt am Tag. Hört sich viel an, ist es letztlich aber gar nicht. Denn darin enthalten waren auch Eintrittsgelder zu allen Hotspots des Landes, Unterkunft und Verpflegung. „Die Idee für unsere Reisen ist uns ja nicht kurz vorher gekommen“, erklärt Cordula. „Im Grunde planen wir sie seit der Geburt unserer Tochter. So konnten wir lange darauf hinsparen.“ Und vor allem: sie bis ins Detail planen! Denn wer mit Kindern reist, muss alles durchdenken. Ganz wichtig, so Cordula, seien die zwei kleinen Rucksäcke der Kinder gewesen. Darin war das verstaut, was die zwei unbedingt mitnehmen wollten. Rubens Fußball erwies sich als wichtiger Begleiter. Tabea brauchte ein Kuscheltier und ihre Puppe. Und vielmehr war für das Glück der Kinder auch schon nicht notwendig. Während zu Hause die Kinderzimmer überreich mit Spielzeug ausgestattet sind, brauchen sie unterwegs kaum etwas. „Dort spielen sie meist draußen mit Steinen, Stöcken oder was ihnen sonst begegnet“, sagt Cordula. „Oder sie spielen mit anderen Kindern.“ Dies war für die Payers besonders beeindruckend:

„Dass Kinder nicht dieselbe Sprache sprechen müssen, um sich zu verstehen und um prima gemeinsam spielen und lachen zu können.“

Das Tempo den Kindern anpassen
Vermisst haben die Kinder vor allem eines: Schokolade. Die gibt es zwar in Südamerika, schmeckt dort aber ganz anders. Und Oma, Opa, Tanten und Onkels fehlten ihnen. Deswegen reist die Familie auch nicht ein Jahr am Stück, sondern kommt zwischendurch für ein paar Wochen heim – um Weihnachten und Ostern zu Hause zu feiern und um alle Lieben einmal kurz wieder zu sehen. Das war den Kindern wichtig.

Wenn die Payers anderen Familien Tipps für lange Reisen mit Kindern geben sollten, dann vor allem den, dass man das Reisetempo an die Kinder anpassen sollte. „Wir haben die Abreise von einem Ort meist nicht geplant“, so Cordula. Wenn wir meinten, die Kinder brauchen noch ein oder zwei Tage, sind wir einfach geblieben.“

Mama Cordula fällt es schwer, an die Zeit nach diesem Jahr zu denken. An den Alltag aus Schule, Arbeit und Haushalt. Schon jetzt plant sie im Kopf die nächsten Sommerferien – dabei lächelt sie: „Ich brauche das Reisen, das war schon immer so.“ Einen glücklichsten Moment auf Reisen? „Den gab es nicht. Das waren so viele“, sagt Cordula. „Aber als wir eine riesige, prachtvolle Galapagosschildkröte langsam über die Straße laufen sahen – Das hat uns alle schon tief bewegt!“


 

Autor_Cordula