Ich bin ein Kriegskind, bin 1937 geboren. Aufgewachsen bin ich auf dem Land, in Westfalen. Wir hatten einen kleinen Bauernhof. Bis zum nächsten Nachbarn waren es 300 Meter über den Acker. Dort habe ich mit meiner Mutter, meinen beiden Schwestern und meinem Bruder gewohnt. Ich war die Älteste. Mein Vater war Soldat und nur ab und zu da, wenn er mal Urlaub hatte. Das war eine schwere Zeit.

 

Womit ich gespielt habe? Wir sind mit Tieren groß geworden, es gab doch sonst nichts! Wir haben mit den Kätzchen gespielt und mit den Kälbchen und den kleinen Schafen. Manchmal hatten wir auch kleine Hunde. Ich habe immer gerne die Küken gefüttert. Alle Tiere hatten Namen. Wenn mal eines geschlachtet wurde, waren wir sehr traurig. Meine Mutter hat für uns Puppen gebastelt. Die sind später leider in die Jauchegrube gefallen. Da war nichts mehr zu retten (lacht). Eine Tante war Schneiderin. Die hat mir aus alten Strümpfen dann eine neue gemacht. Andere Spielsachen hatten wir nicht. Ausnahme war ein auf einen Pappkarton gemaltes „Mensch Ärgere Dich Nicht“-Spiel. Darauf haben wir mit braunen und weißen Bohnen gespielt. Gott sei Dank hatten wir noch ein paar Würfel. Das haben wir abends gemacht.

 

Gertrud und ihre OmaDie Abende waren aber anders als heute. Wir hatten keinen Strom, nur Petroleumlampen. Im Winter war abends früh Feierabend. Um Sieben waren wir alle im Bett, sind dafür aber morgens früh aufgestanden. Fließendes warmes Wasser gab es auch nicht. Gebadet haben wir in der Küche – zu viert. Mit Wasser, das auf dem Ofen heiß gemacht wurde (lacht). Das hat uns gefallen. Wenn meine Mutter ins Dorf musste, waren wir alleine. Dann haben wir viele Dummheiten gemacht. Wir hatten ja so viel Zeit. Einmal haben wir „Frau Holle“ gespielt. Wir haben die Federbetten aufgeschnitten, sind da rein gekrochen und haben alle Federn ausgeschüttet. Wir hatten einen Spaß! Überall flogen Federn. Eine große weiße Wolke im Schlafzimmer.

 

Mit 15 bin ich dann ins Ruhrgebiet nach Oberhausen gezogen, um hier eine Lehre anzufangen. Da war ich auch das erste Mal im Kino. Mein Vater kam erst danach als Spätheimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause. Da war ich glücklich. Ich hatte ihn sechs Jahre nicht gesehen. Meinen jüngeren Geschwistern war er völlig fremd, die kannten ihn eigentlich gar nicht. Leider ist er ein paar Jahre später gestorben, er hatte Krebs.

Ich findeOLYMPUS DIGITAL CAMERA es gut, wenn ich gegen Papa bei „Mensch Ärgere Dich nicht“ gewinne. Mit Oma spiele ich „Fuchs und Gänse“. Mit Playmobil spiele ich auch gerne. Ich habe davon einen Zoo. Und Schleich-Pferde. „Memory“ mag ich auch. Meistens gewinne ich dabei. Lego Duplo gefällt mir nicht mehr. Wir haben die Kiste auf den Dachboden gebracht. Ich baue lieber mit dem richtigen Lego. Damit kann man mehr machen.

 

Ich höre oft CDs von „Bibi und Tina“ und mag die Bücher von den Leselöwen. Im Sommer gehe ich gerne in den Pool. Richtig schwimmen kann ich aber noch nicht. Mein Lieblingsfilm ist „Maleficent – Die dunkle Fee“. Den habe ich im Kino gesehen. Mit Oma fahre ich auch gerne zum Friedhof. Dann besuchen wir Opa.

Als ich so alt wie Daria war, habe ich Diddl-Blätter gesammelt und in der Klasse getauscht. Das haben damals alle gemacht. Schön waren auch immer die Sommerferien. Wir waren oft an der Ostsee. Am Strand habe ich Sandburgen gebaut – und Mama Quallen auf den Rücken gelegt, wenn sie geschlafen hat. Einmal war eine Feuerqualle dabei. Das gab Ärger!

 

Heute treffe ich mich sehr gerne mit Freunden. Wir entspannen. Hauptsache kein Stress! Wir gehen gerne ins Kino oder machen einen DVD-Abend oder feiern. Freitag war ich in der Disko – bis Viertel vor Vier! Gestern hatte ich eine Verabredung. Mal sehen, was daraus wird.

 

Tiere? Meine zwei Katzen machen mir immer noch Spaß. Für Pferde interessiere ich mich schon lange nicht mehr. Ich finde aber immer mehr Spaß an Sport. Ich mache jetzt Krafttraining und habe schon fünf Kilo abgenommen. Mein Körpergefühl ist viel besser geworden.
Wenn ich alleine bin und Zeit habe, lese ich viel. Ich lese eigentlich fast alles: spannende Bücher, Bücher zum Träumen und auch Ernstes zum Nachdenken. Musik ist mir sehr wichtig. Gerade höre ich Papas neue AC/DC-CD. Ich höre Musik, wenn ich im Bus unterwegs bin, in der Freistunde, beim Hausaufgabenmachen, eigentlich immer wenn ich kann.

 

Letztens wurde mir fast mein Smartphone geklaut. Das wäre richtig schlimm gewesen. Ohne kann ich gar nicht mehr! Ich melde mich bei Facebook schon gar nicht mehr ab. So sehe ich immer was meine Freundinnen so machen und kann ihnen zwischendurch einfach mal was schreiben.