Wenn es bei Anja Wrede „Pling“ im Kopf macht, kann es gut sein, dass sich darüber zehntausende von Kindern auf der ganzen Welt freuen werden. Denn die 47jährige aus Berlin ist eine der wenigen hauptberuflichen Spieleautorinnen in Deutschland – und mit rund 80 Veröffentlichungen auch eine der erfolgreichsten. Ihre Spiele erscheinen nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in Taiwan, Israel, Russland und den Niederlanden. Ihren Beruf sieht Anja als Berufung und als ein großes Glück, auch wenn der Weg zum fertigen Spiel manchmal ganz schön lang ist.

Nicht nur Spiele spielen, sondern selber welche erfinden – auf diese Idee kam die Spielautorin schon als Kind. Ein Leiterspiel mit Spielfiguren aus Fimo ist das erste Projekt, an das sie sich erinnern kann. Während die meisten Spieleautoren eher auf Umwegen zu ihrem Job kommen, steuerte Anja Wrede nach dem Abitur ziemlich direkt auf ihr Ziel zu: „Ich habe Pädagogik, Psychologie und Soziologie mit dem Schwerpunkt Spiel- und Bildungsmittelberatung studiert“, erzählt sie. Eines ihrer Praktika führte in einen Spieleverlag, zu ihrem ersten veröffentlichten Spiel und einem Job als Spieleredakteurin.

Lachen, Lärm und berührende Momente

Sieht ihren Beruf als großes Glück: Anja Wrede ist eine der wenigen hauptberuflichen Spieleautorinnen in Deutschland. Foto: Anja Wrede

Sieht ihren Beruf als großes Glück: Anja Wrede ist eine der wenigen hauptberuflichen Spieleautorinnen in Deutschland. Foto: Anja Wrede

Mittlerweile arbeitet die Berlinerin seit 15 Jahren als selbstständige Spieleautorin. Das Spieleerfinden ist für sie weit mehr als nur ein Job: „Es ist ein Glück, weil ich ein sehr neugieriger Mensch bin und mir mein Beruf es ermöglicht, das weiter auszuleben. Bei jedem Projekt arbeite ich mich in neue Themen ein und lerne neue Leute kennen.“ Die Begeisterung für ihre Arbeit sieht man Anja an und man hört sie aus jedem ihrer Sätze heraus – Spieleerfinden scheint definitiv glücklich zu machen.

Zu den schönsten Momenten ihrer Arbeit gehörten die Testrunden in Kindergärten und Horten. Sobald ein Prototyp fertig ist, wird mit der Zielgruppe ausprobiert, ob die Idee so wirklich funktioniert: „Es ist immer wieder toll zu sehen, wie die Kinder reagieren.“ Dabei gebe es nicht nur viel Gelächter und Trubel, sondern auch berührende Begegnungen, die lange in Erinnerung bleiben.

„Über Spiele kommen wir uns näher. Im Spiel können Gefühle ausgedrückt werden, für die sonst die Worte fehlen – da kommen dann auch mal Geschichten zu Tage, bei denen man Tränen in den Augen hat.“ Meistens aber überwiegen Spaß und witzige Überraschungsmomente, etwa wenn große, coole Jungs – eigentlich schon viel zu groß und viel zu cool für Kinderspiele – Anja danach fragen, ob sie „nochmal das Spiel mit dem Fuchs vom letzten Test mit dabei hat“.

Mit Neugier, Fantasie, viel Geduld und etwas Glück

Als Spielautorin braucht Anja Wrede nicht nur jede Menge Neugier und Fantasie, sondern auch eine große Portion Geduld. Mindestens zwei bis drei Jahre dauert es vom „Pling“ im Kopf bis zum fertigen Spiel – manchmal auch viel länger. Aus der ersten Idee ein konkretes Konzept entwickeln, einen Prototypen bauen, Spielregeln schreiben, die Idee immer wieder testen und einen Verlag finden, der das Projekt umsetzt, ist oft harte Arbeit.  Aber irgendwann ist er dann da, der Moment, in dem  Anja zum ersten Mal ein neues fertiges Spiel in den Händen hält. Wie sich das anfühlt? „Ich habe dann immer eine kleine Sonne im Bauch, die aus mir heraus strahlt.“

Bleibt die Frage, ob auch das Spielen glücklich macht. Von Experten dürfte es dazu ein ganz klares Ja geben. Eltern dagegen kennen auch die Schattenseiten von „Maumau“ und Co., etwa wenn beim Verlierer dicke Tränen kullern. „Es ist nicht unbedingt das Spiel selbst, das glücklich macht“, sagt Anja Wrede. „Es geht mehr um das Zusammensein, darum Zeit miteinander zu haben, sich gemeinsam zu freuen und zu ärgern.“ Ihr Tipp für alle Familien, in denen sich der ein oder andere Mitspieler (noch) schwer tut mit dem Verlieren: Statt einzeln lieber in Teams miteinander spielen – dann könne man sich zusammen doppelt freuen und den Ärger einfach teilen.

Und wer noch mehr über Anja und ihre Arbeit wissen möchte: Jede Menge Wissenswertes gibt es auf www.anja-wrede.de nachzulesen!

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