Elias weint. Große Krokodilstränen kullern über seine Wangen. Warum bitte soll er denn nicht mehr mit dem coolen Fotoapparat spielen? Und sich stattdessen mit der bunten Plastikkamera zufrieden geben? Nicht mit ihm. Auch Papa hat keine Chance, den Zweijährigen zu trösten. Kurze Zeit später geht die Tür auf und Leanders Kopf erscheint im Türrahmen: „Hey, was ist los?“ fragt er seinen kleinen Bruder. Die Arme schnellen nach oben und schon ist Elias bei Leander auf dem Arm. Ein zaghaftes Grinsen huscht über sein tränennasses Gesicht. Mama Michaela lacht: „Ja, so läuft das bei uns. Leander ist sein Held, da können wir anderen uns noch so viel Mühe geben.“


Als Michaela (43) und Thomas (50) vor elf Jahren ihr Familienleben mit einer Einwegkamera festgehalten haben und damit Teil des Familien Mutmachbuchs von JAKO-O wurden, da waren die Brauns noch zu viert. Heute ist aus der vier- eine sechsköpfige Familie geworden – die Kinder, das sind Tabea (18), Leander (16), Linnea (9) und Elias (2).

Linnea und Elias sind ordentlich gewachsen.

Damals beschrieb Michaela im Familien Mutmachbuch den Start in das Familienleben mit Thomas. Die beiden lernen sich im Krankenhaus kennen – sie, die Psychologie-Studentin, und Thomas, der Medizin-Student. „Mein erstes Kind kündigte sich wirklich überraschend an. Ich kannte Thomas damals erst drei Monate, war in der Endphase meines Studiums und habe eigentlich nicht daran gedacht, ein Kind zu bekommen“, schreibt sie im Buch. Sie unterbricht ihr Studium und zieht zu Thomas nach Köln. Nach gerade einmal anderthalb Jahren mit Tochter Tabea wird Michaela mit Leander schwanger. Wieder ungeplant. Wieder voller Vorfreude.

„Für mich sind Kinder das spannendste Abenteuer unserer Zeit. Da kann der australische Dschungel nicht mithalten!“

Nach vier Jahren entscheidet sich Michaela, ihr Studium abzuschließen. Sie fährt einmal im Monat nach Bielefeld und schreibt abends ihre Diplomarbeit. Thomas arbeitet inzwischen als Anästhesist. Dann ziehen die vier nach Jüchen. Sind sie nun angekommen? Das fragen sich Michaela und vor allem Thomas nach ein paar Jahren. Die beiden informieren sich über Auswanderungsmöglichkeiten nach Schweden. Anästhesisten wie Thomas sind gefragt im Land, in dem es im Sommer selten dunkel und im Winter selten hell wird. Doch das Auswandern bleibt vorerst ein Traum. Und sieben Jahre nach Leander kündigt sich das Kinderglück erneut an: Linnea ist unterwegs.

Die beiden Schwestern sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Als auch Linnea größer wird, fängt Michaela an, freiberuflich für ein paar Stunden die Woche als Psychologin in der Schmerztherapie zu arbeiten. Als sie vor zwei Jahren bemerkt, dass sie erneut schwanger ist, freuen Thomas und sie sich riesig. Die Kisten mit den alten Stramplern und Babyspielsachen werden wieder aus der hintersten Ecke vom Dachboden hervorgeholt.

 „Vor zwei Jahren hat Elias unsere ganze Familie noch einmal komplett auf den Kopf gestellt. Zum Glück!“

US_20150620_2257

Der große Bruder Leander ist Elias Held.

Beim Besuch der Familie ist es ein bisschen so, als wäre die Zeit zurückgedreht in das Jahr 2004. Im Familien Mutmachbuch waren Michaela und der gerade fünf Jahre alte Leander zu sehen, der seiner Mama bei einer Gute-Nacht-Geschichte zuhört. Tabea war gerade in der ersten Klasse. Heute sieht Elias aus wie Leander damals. Und Linnea ist der Tabea von vor elf Jahren wie aus dem Gesicht geschnitten.

Inzwischen arbeitet Thomas als ärztlicher Psychotherapeut: „Mein Beruf als Anästhesist war unglaublich stressig mit den vielen Wochenend- und Nachtdiensten. Ich hatte irgendwann genug davon, ständig weg zu sein.“ Im letzten Jahr hat er seine eigene Praxis aufgemacht. Wenn Elias größer ist, möchte auch Michaela in die Praxis ihres Mannes einsteigen.

Eine zweite Kinderrunde einlegen, da sind Thomas und Michaela nicht die einzigen im Bekanntenkreis. „Auch einige unserer Freunde haben noch einmal Kinder im Alter von Elias bekommen. Aber meist mit einem neuen Partner“, lachen die beiden. Mit über 40 sei es schon eine andere Belastung mit einem Kleinkind als mit Mitte 20, erzählt Michaela ehrlich. Die Großen sind ihr dabei oft eine große Entlastung.

„Es ist toll, zu sehen, wie die vier füreinander da sind.“

Jüchen, 20.06.2015 Familie Braun. Michaela und Thomas mit den Kindern Leander (16), Tabea (17), Linnea (8) und Elias (2) ©Ulrike Schacht

Bald stehen wieder Veränderungen bei Familie Braun an.

Die nächsten Veränderungen stehen bevor. Gut möglich, dass bald nur noch fünf der Brauns unter einem Dach wohnen. Tabea hat dieses Jahr Abitur gemacht und möchte anfangen, zu studieren. Ihr Freund Dominik hat schon an der Sporthochschule in Köln angefangen. Im Haus der Brauns ist er mittlerweile wie ein siebtes Familienmitglied. Vor allem Elias findet den Freund seiner Schwester richtig toll. Große Freunde und Brüder, die machen eben gerne auch mal Quatsch mit ihm. Und Quatsch machen liebt Elias.


Es ist noch relativ früh an dem Samstagmorgen als Leander im Wohnzimmer erscheint und seinen Bruder abrupt vom Weinen zum Lachen bringt. Aber spätestens ab 7 Uhr morgens ist bei Familie Braun die Ruhe vorbei, seitdem Elias da ist. Müde aber fröhlich sitzt Leander am Tisch und frühstückt. Und Elias freut sich, dass sein großer Bruder endlich wach ist.