Ich komme aus einer Familie, in der nie groß gefeiert wurde. Klar gab es die Kindergeburtstage und zu den runden Geburtstagen meiner Eltern wurden auch ein paar Leute eingeladen. Aber so richtig große Sausen? Fehlanzeige. Was ich immer sehr schade fand. Mein Mann kommt aus einer Familie, in der im wahrsten Sinne des Wortes das Leben gefeiert wird. Von der Geburt bis zur Beerdigung, mit allem Zipp und Zapp. Mit Freunden, Tanten, Onkeln, Omas, Opas, Uromas und natürlich mit den Kindern, den allergrößten Partygängern überhaupt. Neben mir. Wie gesagt, ich fand es schon als Kind ausgesprochen doof, dass immer nur mit angezogener Handbremse gefeiert wurde.

Sonntagmorgen, 3 Uhr: Das große Kind steht mit seinen erwachsenen Cousinen auf der Tanzfläche und rockt ab. Das kleine Kind hat es sich mit seiner Kuscheldecke in einer Sitzecke gemütlich gemacht und schläft unbeeindruckt vom Partylärm seit Mitternacht tief und fest. Meine Schwägerin und mein Schwager feiern ihre Silberhochzeit mit einer großen Party, von der das kleine Kind auch Wochen später noch mit leuchtenden Augen erzählt. Weil es jede Menge Limo und Nachtisch gab. Weil man so lange aufbleiben durfte, wie man wollte. Vor allem aber, weil die ganze Familie mitgefeiert hat.

Feiertage und Feste sind eine der Glückserfahrungen, die Kinder lange im Gedächtnis bleibt, hat unsere Kinder-Glücksstudie gezeigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Stimmt. Für meine Kinder wird das Jahr nicht nur von Ostern, den Sommerferien und Weihnachten bestimmt, sondern auch von den zahlreichen Festen im Familien- und Freundeskreis.

Die Kinder? Feiern natürlich mit!

In der großen Familie meines Mannes war es nie eine Frage, ob die Kinder auch mit eingeladen sind – es war von Anfang an eine Selbstverständlichkeit. Genauso selbstverständlich war es, dass wir nie alleine gelassen wurden mit den Kindern. Es gab immer jemanden, der sie eine Runde durch den Park schob (als sie noch ganz klein waren). Der mit ihnen Autos oder Ball spielte (als sie etwas größer waren). Der mit ihnen tanzte, sich unterhielt, auf die Toilette ging. Weshalb der Mann und ich sehr entspannt mitfeiern konnten.

Vermutlich haben wir auch ziemliches Glück gehabt, was die Partytauglichkeit unserer Kinder angeht: Das große Kind erwies sich schon sehr früh als Partylöwe mit enormen Durchhaltevermögen. Und das kleine Kind hat die großartige Gabe, überall einschlafen zu können, sobald es müde ist – hauptsache Schmusedecke und Lieblingskuscheltier sind mit dabei.

Feiern mit Handbremse – und geteilter Verantwortung

Zugegeben, mit Kind lässt es sich nicht mehr so ungebremst feiern wie in Vor-Kind-Zeiten. Es droht zumindest für ein Elternteil ja immer der nächste Morgen mit der Erkenntnis, dass die Kinder immer noch nicht länger als sonst schlafen, auch wenn sie viel später als üblich ins Bett gegangen sind.

Es gab auch die Zeiten, in denen ich durch die vielen weitgehend schlaflosen Alltagsnächte mit Kleinkindern kaum noch Lust auf Partys hatte. Dieser Phase sind wir zum Glück mittlerweile entwachsen, genau wie die meisten unserer Freunde. Was man daran merkt, dass plötzlich wieder sehr viel gefeiert wird. So richtig, mit Musik und Erwachsenengetränken,  laut und fröhlich und lange. Im Gegensatz zu früher kommen die Partyeinladungen heute in der Regel mit einem ordentlichen Vorlauf – damit alle einen Babysitter organisieren oder die Kinder übers Wochenende bei Oma und Opa parken können (unsere Lieblingsvariante, weil dann niemand früher nach Hause und am nächsten Morgen schon in aller Frühe Bilderbücher vorlesen und Frühstück machen muss).

Weil im Freundeskreis immer einige Familien den gleichen Babysitter haben, werden manchmal auch einfach mehrere Kinder zur lustigen Übernachtungsparty zusammengepackt. Der Babysitter wird selbstverständlich mit einem höheren Stundensatz für die zusätzliche Nervenbelastung entschädigt. Vorteil dieser Lösung: Zumindest ein Elternpaar hat am Morgen danach kinderfrei.

Die große Nachmittagssause

Großartig fand ich aber auch die Idee von Freunden von uns, die ihre Party einfach auf den Nachmittag verlegt haben. Die Kinder kamen alle mit und tauchten mit ihren Freunden über Stunden auf dem benachbarten Spielplatz oder im Kinderzimmer ab. Zwischendurch kam mal ein kurzes „Hunger, Durst, Mir ist heiß, Ich muss aufs Klo“. Und vermutlich haben sie interessiert beobachtet, wie die Erwachsenen im Laufe des Nachmittags immer fröhlicher und lauter wurden. Zur Tagesschau-Zeit sind wir dann (fast) alle leicht angeschickert und sehr, sehr glücklich Richtung Heimat aufgebrochen. Mit im Gepäck die Einladung für die nächste Party. Ich freue mich schon. Jetzt muss ich nur noch mit dem Mann ausdiskutieren, wer von uns beiden am nächsten Morgen für die Kinderbetreuung zuständig ist…


 

Autor_Sandra