Johanna (31) aus Kulmbach wohnt in einem 4 Generationen-Haus mit ihren Schwieger-Großeltern, ihren Schwiegereltern, ihrem Mann und ihren beiden Kinder. Wie das Zusammenleben mit so vielen Menschen im Alltag klappt, erzählt sie uns im Interview!


4 Generationen unter einem Dach – das hört sich nach vielen Menschen an.

Mehrgenerationenhaus_RahmenStimmt. Im Erdgeschoss wohnen meine Schwieger-Großeltern Erika (77) und Hans (78). Im ersten Stock meine Schwiegereltern Monika (54) und Bernd (56) und ganz oben leben wir, mein Mann Tobias (30), unsere Tochter Charlotte (3), der kleine Jonathan (12 Wochen) und ich. Jede Partei hat ihre eigene abgeschlossene Wohnung.

Wie kam es dazu, dass Ihr dort wohnt?

Mein Mann ist ein sturer Franke und konnte sich nicht vorstellen, sein Elternhaus zu verlassen. Also bin ich dort mit eingezogen.

Will man als junges Paar nicht erstmal seine Ruhe vor den Eltern?

Tobias und ich sind schon 15 Jahre ein Paar, mit 20 bin ich dann bei ihm eingezogen. Direkt aus meinem Kinderzimmer im Haus meiner Eltern. Glücklicherweise haben meine Schwiegereltern unsere Privatsphäre immer sehr respektiert. Wir hatten nie das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen.

Stichwort Privatsphäre – gibt es Regeln, um diese zu sichern?

Ja, wir haben ausgemacht, dass wir nicht einfach die Wohnung des anderen platzen. Es wird angeklopft und auf das „Herein“ gewartet.

Wie sind Deine Schwiegereltern in Euren Alltag eingebunden?

Sie sind eine große Hilfe. Als ich zwischen den Kindern wieder arbeiten gegangen bin, haben sie Charlotte betreut und ich musste sie nicht in eine Krippe geben. Das war toll. Und auch jetzt nach Jonathans Geburt sind sie viel eingesprungen, haben für uns gekocht und eingekauft. Mein Mann ist unter der Woche viel beruflich unterwegs, da ist es super, wenn ich die Große mal zu Oma und Opa runter schicken kann, wenn ich gerade den Kleinen stille oder aufräumen muss.

Und dann gibt es ja auch noch die Urgroßeltern Deiner Kinder.

Ja, leider ist die Uroma nicht mehr ganz fit, sie leidet unter Demenz. Der Uropa ist aber noch rüstig und immer ganz glücklich, wenn er seine Urenkel bei sich hat.

Du meinst also, dass nicht nur ihr, sondern auch die Groß-und Urgroßeltern von dem 4 Generationenhaus profitierten?

Auf jeden Fall. Auch die Uroma kommt oft in den Garten, wenn ich mit den Kindern draußen bin. Das ist für sie auf jeden Fall etwas besonderes. Und die Großeltern fühlen sich gebraucht, bleiben durch die Kinder jung. Das ist toll.

Das hört sich alles sehr harmonisch an – gibt´s auch mal Zoff?

Zum Glück bisher keinen größeren. Hin und wieder muss ich die Großeltern ermahnen, der Großen nicht so viele Süßigkeiten zu geben. Und manchmal ist es doch schwer, etwas Ruhe zu finden – gerade jetzt im Sommer, wo alle Türen immer offen stehen. Aber alles in allem haben wir riesiges Glück so zu leben.

Glaubst Du, dass man für so ein Wohnmodell schon ein spezieller Typ sein muss?

Ja, man muss schon ein Familienmensch sein. Allerdings beobachte ich im Bekanntenkreis, dass immer mehr zurück zu ihren Eltern ziehen, sobald sie eine eigene Familie haben. Das finde ich sehr schön.

Was bedeutet Glück für Dich?

Dass wir alle gesund sind und dass wir gut zusammen halten. Ich wünsche mir, dass wir noch viele Jahre so leben können.

Welche Werte willst Du Deinen Kindern vermitteln?

Ehrlichkeit und Familiensinn. Ich möchte, dass sie wissen, dass sie immer zu uns kommen können, auch wenn sie mal Mist gebaut haben.


Autor_Johanna